Die Vertreibung.
14.Urlaubstag - Sonnabend, 26.8.2006

Halb acht klingeln wieder einmal die Handys. Wir stehen aber erst um neun auf, wir sind einfach zu müde. Außerdem ist die Strecke, die wir gestern im Zelt bei Gaslampenschein für heute geplant haben, nicht ganz so lang. Ich gehe erst einmal zur Hygiene ans Ufer. Irgendwie ist mir heute so, ich will baden gehen. Die Wassertemperatur ist gerade richtig, ich schätze so knapp zwanzig Grad. Ich schwimme um die Halbinsel herum bis vors Zelt und rufe Evi. Als sie mich sieht, kommt sie auch gleich mit zum Waschen, aber Schwimmen will sie dann doch lieber nicht.

Bild 1, 8:49 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Keine Seerobbe - nein, Willi!
Bild 2, 8:50 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Heute ist Badetag.

Also waschen wir uns beide, dann folgt noch die Zahnpflege. Anschließend gehen wir zurück zum Zelt, wir wollen frühstücken. Da es ein wenig windig und bewölkt ist, bleiben wir heute im Zelt. Es gibt das übliche Menü und für jeden einen Kaffee.

Nach dem Baden und dem Kaffee sind wir so richtig munter und voll Tatendrang. Wir holen die Karten heraus und gehen die Planung noch einmal durch. Wir können uns noch einen Tag von Filipstad weg bewegen, aber dann muss es wieder zurück in Richtung Zeltplatz Munkeberg gehen. Es bleibt uns dann noch ein so genannter ”Puffertag“ für unvorhergesehene Ereignisse, ehe wir zurück nach Hause starten. Den Rückweg bis zum Zeltplatz wollen wir in möglichst gleiche Etappen aufteilen, aus all dem ergibt sich auch die Strecke für diesen Tag. Wir fahren also heute nur ein kleineres Stück, bis in den See Fröwettern hinein. Dort gibt es eine Insel, auf der sich eine weitere Schutzhütte für Urlauber befindet. Die Insel ist laut Karte etwa acht Kilometer entfernt.

Morgen treten wir von dort aus dann den Rückweg an. Wir gehen zur Sicherheit noch einmal die Tage durch und die möglichen Rückstationen, so sollte alles funktionieren. Anschließend beginnen wir mit dem Einpacken. Die Sonne scheint mittlerweile auch durch die Wolken, immer öfter und länger. So sind wir guter Laune und freuen uns auf den Tag. Wir schieben das Boot ins Wasser. Evi reicht mir das Gepäck zu und ich nehme mir einmal die Zeit, die einzelnen Phasen des Einpackens zu fotografieren. So kann man sehr schön die Ordnung erkennen, die sich im Laufe der Zeit herausgebildet hat und die das Einpacken sehr beschleunigt.

Bild 3, 10:28 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Einpacken und Aufbruch.
Bild 4, 10:28 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Dieser Bau ist direkt neben dem Zelt.
Bild 5, 10:28 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Daher kamen gestern Nacht sicher die Geräusche!
Bild 6, 10:29 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
So hat unser Ally die Nacht verbracht.
Bild 7, 10:29 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Das Wetter ist nicht schlecht.
Bild 8, 10:31 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Wir waren gut getarnt.
Bild 9, 10:39 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Evi hat den Zeltinhalt zusammen gepackt.
Bild 10, 10:47 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Wenig später ist auch das Zelt verschwunden.
Bild 11, 10:48 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Einige unserer ”Hilfsheringe”.
Bild 12, 10:48 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
So weich und kuschelig hatten wir es selten.
Bild 13, 10:48 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Das Gepäck liegt nun am Boot bereit.
Bild 14, 10:48 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Evi schaut nach unserer heutigen Route.
Bild 15, 10:49 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Nun geht es los.
Bild 16, 10:49 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Zuerst drehen wir das Boot um.
Bild 17, 10:55 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Evi wird mir das Gepäck zureichen.
Bild 18, 10:56 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Ich ziehe das Boot ins Wasser.
Bild 19, 11:00 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
In die Spitze des Bootes vor Evis Sitz kommen die Iso-Matten (weiß) und die Schlafsäcke (rot).
Bild 20, 11:00 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Die Gaskartuschen (grau), der Technikrucksack und die Fototasche (grün) sind neben Evis Sitz.
Bild 21, 11:02 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Die beiden Küchentonnen (weiß) liegen neben dem Sack mit dem Essen (rot), gegenüber das Zelt (grün) zwischen den Angelrucksäcken (schwarz).
Bild 22, 11:04 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Vor meinem Sitz: das Zelt (grün), der große Angelrucksack (schwarz), links ein Wassersack, der Spaten. Der kleine, rote Sack ist die Rettungsleine.
Bild 23, 11:05 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Links von einem Sitz die Würmerdosen, vor der Sonne geschützt.
Bild 24, 11:07 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Hinter meinem Sitz in der Spitze die Klamotten (blau) und diverse Kleinteile (weiß).
Bild 25, 11:08 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Das Angelfutteral wird erst bis unter meinen Sitz geschoben...
Bild 26, 11:08 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
...und dann wieder zurück gezogen. Es liegt nun auf dem anderen Gepäck.
Bild 27, 11:09 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Oben drauf kommt der zusammengelegte Bootswagen und die Räder.
Bild 28, 11:10 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Auf der geschlossenen Luke stehen die Schuhe. Sie können nicht verloren gehen, sie schwimmen.
Bild 29, 11:11 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Mein ”Steuerpult”, der iSun und das GPS. Auf den grün-weißen Matten knien wir übrigens.
Bild 30, 11:15 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Wir paddeln immer mit Schimmwesten und haben ein Ersatzpaddel mit, es liegt neben dem Angelfutteral.

Als wir fertig sind, ist es bereits elf Uhr, aber wir haben es ja heute nicht so eilig. Wir schieben das Boot ins etwas tiefere Wasser, steigen ein und los geht’s. Die Sonne scheint mittlerweile dauerhaft, es ist wieder richtig warm. Wir paddeln quer über den See, weil die Route entlang der anderen Seite für uns günstiger ist. Wir brauchen dann nur noch der Uferlinie zu folgen und können nichts falsch machen. Es ist nur ganz leichter Wind und stabiles Wetter, da ist die direkte Überquerung des Sees wohl kein Risiko.

Bild 31, 11:18 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Es hat Spass gemacht auf diesem Felsen.
Bild 32, 11:20 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Noch ein Blick zurück zu der kleinen Insel.

Wir paddeln nun konzentriert und zügig, deshalb dauert die Überquerung auch nicht allzu lange. Nachdem wir das freie Wasser hinter uns gelassen haben, schwenken wir ein und paddeln wir nun wieder parallel zum Ufer. Hier stehen einige größere Häuser, offensichtlich sind es nicht nur Wochenend - Grundstücke. Eins ist besonders markant, es war uns schon gestern beim Umfahren der mehrere Kilometer entfernten Landzunge aufgefallen. Wir schauten da zum ersten Mal über die große Fläche des Ullvettern hinweg und gegenüber, scheinbar in einer in den Wald gehauenen Schneise fiel uns das große Prunkhaus auf, vor dem wir nun gerade entlang paddeln.

Bild 33, 11:33 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Ein markantes und weithin sichtbares Haus.
Bild 34, 11:34 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Es gibt auch noch einige Nebengebäude.
Bild 35, 11:35 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Von weitem sieht es aus, als wäre extra eine Schneise in den Wald gehauen worden.
Bild 36, 11:36 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Der riesige Ullvettern ist ein beeindruckender See, glücklicherweise ist heute wenig Wind.

Wir sind schon ein ziemliches Stück parallel zum Ufer unterwegs, als wir auf eine Kolonie ”Graugänse” stoßen. Sie sind ganz schön groß und vor allem sind es sehr viele. Evi macht eine Menge Fotos, die meisten notgedrungenermaßen gegen die Sonne. Das Ufer liegt östlich von uns und die Sonne ist direkt darüber. Wir hoffen beim Fotografieren, dass wenigstens einige Fotos geworden sind. Die vielen Federtiere sind schon beeindruckend. Nach der Kolonie kommen wir dann in eine immer enger werdende Bucht, die uns in Richtung Fröwettern führt.

Bild 37, 11:57 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Die ersten Gänse der Kolonie.
Bild 38, 11:57 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Sie sind auch ganz in der Nähe der Häuser.
Bild 39, 11:58 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Sie sitzen auf Steinen im Wasser.
Bild 40, 11:59 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Gegen die Sonne ist das Fotografieren schwierig.
Bild 41, 11:59 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Die Gänse machen auch einen ziemlichen Lärm.
Bild 42, 12:00 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Wir haben sie gestern Abend schon gehört.
Bild 43, 12:01 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Um das Ally herum schwimmen Federn.
Bild 44, 12:02 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Auch an Land ist jeder Platz von einem Vogel besetzt.
Bild 45, 12:04 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Im Hintergrund liegt das Dorf Ullvettern.
Bild 46, 12:04 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Davor ist die Bucht der Graugänse.
Bild 47, 12:07 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Ein letzter Blick zurück zu den Vögeln.
Bild 48, 12:32 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Nun geht es hinein in den Kanal zum Frövettern.

Am Ende wird das Ganze zu einem Kanal und ist nicht mehr sehr breit. Auf der rechten Seite sehen wir vor uns einen Bieberbau, jetzt will ich endlich mal einen der Bewohner sehen. Wir paddeln sehr leise, gehen auf einigen Abstand und wir sind sehr still. So warten wir eine Viertelstunde vor dem Bau. Um nicht im ”Jagdfieber” den ganzen Tag so zu verbringen, legen wir fest, dass wir genau um dreizehn Uhr weiter paddeln.

Und so geschieht es, um dreizehn Uhr paddeln wir wieder los. Ein Bieber hat sich leider nicht gezeigt. Wir kommen um die nächste Landzunge und da ist sie auch schon, die gesuchte Insel. Auch die Hütte ist vom Wasser aus gleich zu sehen – und sie sieht gut aus.

Bild 49, 12:32 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Wir sind auf dem Weg zum Fröwettern.
Bild 50, 12:36 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Wieder mal ein Bieberbau.
Bild 51, 12:36 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Wir warten lange, aber einen Bieber sehen wir nicht.
Bild 52, 12:59 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Da ist sie, die Insel mit Hütte im Fröwettern.

Wir paddeln erst mal eine Runde um die Insel, da weiß man immer gleich, wo es sich gut angeln lässt. Wir paddeln eine Runde und legen am Ponton wieder an. Dann steigt Evi aus, alles sieht unbewohnt aus. Sie kommt zurück, alles Tipp – Top, die nehmen wir. Ich lade das Gepäck aus, Evi nimmt es mir ab. Dann tragen wir alles hoch. Ich spanne Evi auch gleich eine Leine, diesmal nehme ich die Wurfsack – Leine, da die Bäume ziemlich weit auseinander stehen.

Bild 53, 13:00 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Die Hütte sehen wir schon von weitem.
Bild 54, 13:00 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Hier gegenüber der Insel saß bei unserer Anfahrt noch eine lesende Frau.
Bild 55, 13:03 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Es sieht alles verlassen aus.
Bild 56, 13:08 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Das andere Ende der Insel ist von Schilf umgeben.
Bild 57, 13:23 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Nun heißt es anlanden und auspacken.
Bild 58, 13:44 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Die Hütte ist i.O., sogar Grillwerkzeug gibt es.
Bild 59, 13:44 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Wir räumen gleich das Gepäck ein.
Bild 60, 13:45 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Auch eine Leine habe ich schon gespannt.

Dann räumen wir das Wichtigste in die Hütte ein. Anschließend gehe ich runter zu dem Angelsteg, um die Angelruten vorzubereiten. Ich baue die Bambusrute auf und lote die Wassertiefe vor dem Ponton aus. Ich bin gerade damit fertig, als ein Motorboot ziemlich schnell aus dem Ullvettern - Kanal kommt und direkt auf den Steg zuhält. Es sind ein junger Mann und vier Mädels an Bord und mehrere Paletten Bier. Alles an dem Boot sieht ein wenig verwahrlost aus, der Außenbord-Motor hat auch keine Verkleidung. Eine der Damen hat ein ziemlich seltsames Outfit, sie trägt einen Koffer mit Röllchen hinter sich her. Irgendwie passt sie nicht auf diese Insel.

Bild 61, 13:45 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Der Weg hinunter zum Steg.
Bild 62, 13:45 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Evi richtet die Hütte her.
Bild 63, 13:45 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Ich schnappe mir das Angelzeug und gehe zum Steg.
Bild 64, 14:00 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Der Kanal zum Ullvettern, von da kamen wir.
Bild 65, 14:01 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Evi hat die Hütte schon eingeräumt.
Bild 66, 14:01 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Ich bin am Steg, als das Boot ankommt.

Die Jugendlichen sagen kein Wort, weder zu mir noch zu Evi, die das Boot gehört hat und gleich zum Ponton herunter gekommen ist. Sie vertäuen das Boot am Steg, nehmen zwei Paletten Bier und den Koffer und steigen zur Hütte hoch. Evi geht auch wieder hoch zur Hütte, immerhin liegt da ja unser ganzes Gepäck. Ich bin auf einmal mit dem Boot alleine auf dem Ponton. Da Evi es jetzt sicher schwer hat, lege ich schnell die Angelruten etwas zusammen und gehe zu ihr hoch.

Als ich an der Hütte ankomme, sitzen die Jugendlichen um die Feuerstelle direkt an der Hütte, Evi sitzt in der Hütte. Sie haben auch zu ihr kein Wort gesagt, sondern einfach angefangen, in der Feuerstelle ein Feuer zu anzuzünden. Ich setze mich in den Eingang der Hütte und warte ab. Ich kann mir nicht helfen, die Situation hat irgendwie etwas Bedrohliches für uns. Die Leute rücken an, sagen nichts und machen zwei Meter entfernt von unseren Sachen ein Feuer?!

Der Typ führt nacheinander mehrere Telefonate. Wir verstehen kein Schwedisch, aber das Wort German kriegen wir irgendwie mit. Evi wird es wohl zunehmend auch etwas mulmig. Sie meint, ob sie nicht lieber auf dem Zeltplatz anrufen soll – bei Martin. Ich bejahe, mir kommt die Sache ja auch komisch vor. Sie wählt also Martins Nummer, die er uns bei unserem Aufbruch zur Südrunde gegeben hatte. Er weiß erst gar nicht, mit wem er es da zu tun hat. Dann aber fragt er, was er da tun kann? Er fragt zu Recht. Evi meint, er solle nichts tun, sie schildert ihm die Situation und meint, es ginge uns nur darum, dass überhaupt irgend jemand weiß, wo wir sind. Im Notfall können wir ja dann immer noch die 112 anrufen. Sie bedankt sich bei Martin und legt auf.

Wir schauen den Jugendlichen nun weiter beim Feuer anzünden zu. Ich versuche, die einzelnen Leute mit Blicken zu fixieren. Aber alle schlagen schon nach kurzer Zeit die Augen nieder oder schauen weg, so, als hätten sie ein schlechtes Gewissen. Einige der Mädels gehen Holz sammeln, während die aufgetakelte Kleine in Richtung Toilette stakst mit ihren Stöckelschuhen. Sie bleibt mit den Dingern dauernd im Waldboden stecken und hat bei den vielen unerwarteten Rucken Mühe, dass der Inhalt ihres BH’s diesen nicht verlässt.

Nach vielen, nicht sehr professionellen Versuchen hat es der junge Mann geschafft, es beginnt zu qualmen. Vom Outdoor - Leben und vom Feuer anzünden haben sie offensichtlich nicht viel Ahnung. Sie nehmen nasses Holz und Blätter, es qualmt ziemlich. Oder ist das Absicht?

Evi schlägt mir vor, an den etwas abseits stehenden Tisch zu gehen und erst einmal was zu kochen. Wir sitzen den Jugendlichen nun schon fast eine Stunde gegenüber, jetzt qualmt auch noch das Feuer. Vom Tisch aus haben wir unsere Sachen ja auch im Blick. Ich schlage vor, einen Tee zu kochen, dann vielleicht noch eine Suppe. Der Tee ist schnell fertig, wir trinken ihn in aller Ruhe. Ich bin ziemlich wütend über die Situation. Evi, die gern in solchen Hütten kampiert, hatte sich so gefreut über diese Bleibe.

Die Jugendlichen haben einen weiteren Anruf erhalten. Jetzt schauen sie immer zum Durchfahrtskanal in Richtung Ullvettern. Ich denke, da werden noch mehr Leute auftauchen. Die Mädels gehen abwechselnd zum Boot hinunter, man kann von hier aus nicht bis zum Boot hinunter schauen. Mein gesamtes Angelzeug liegt ausgepackt auf dem Ponton. Da Evi nun etwas abseits sitzt und erst mal nichts passiert, denke ich, ich gehe das Angelzeug zusammenpacken. Evi stimmt zu, sie ist auch der Meinung. Sie möchte am liebsten zusammenpacken und verschwinden, ich aber fühle mich im Recht. Wir waren zuerst da.

Ich gehe also runter und beginne die Angeln einzupacken. Da klingelt mein Handy in der Tasche. Es ist Martin vom Zeltplatz. Er ruft aus Sorge um uns von Schweden aus ein deutsches Handy an, das hier in Schweden eingebucht ist. Das wird für ihn und uns ganz schön teuer. Er fragt mich, wie die Situation ist. Ich schildere ihm alles, auch dass die Jugendlichen Bier und Grillzeug mithaben und dass sie offensichtlich noch jemanden erwarten. Ich sage ihm auch, wir waren aber zuerst da, also werden wir bleiben. Er meint, ich solle mir das gut überlegen, er empfiehlt, wir sollten einpacken und uns eine neue Stelle zum Übernachten suchen. Noch ist ja genug Zeit bis zum Dunkelwerden. Es ist möglich, dass die Jugendlichen auf der Insel eine größere Party feiern wollten, es ist ja immerhin Sonnabend. Ich muss ihm Recht geben, alles deutet darauf hin. Er meint, sie würden uns vielleicht nichts tun, aber Ruhe hätten wir auch nicht. Und wenn jede Menge betrunkener Jugendlicher auf der Insel herumspringen, dann kommen wir auch nicht zum Schlafen.

Ich meine, nun doch schon unsicher geworden, Betrunkene sind ja bekanntermaßen unberechenbar. Wir können zusätzlich die Sprache nicht, da können wir auch schwer mit den Jugendlichen diskutieren. Aber im Notfall könne ich ja die 112 rufen. Da meint Martin, wir sind weit draußen auf einem See, es ist Sonnabend. Ehe die Polizei ein Boot hätte und bis zu uns fahren würde, verginge einige Zeit. Schnelle Hilfe ist da leider nicht zu erwarten, es wäre hier, allein schon wegen der Entfernungen nicht so wie in Deutschland.

Ich gebe ihm wieder Recht, er hat mich umgestimmt. Ich sage ihm, wir werden einpacken und uns eine neue Stelle suchen, dann rufen wir noch einmal zurück. Ich packe nun das Angelzeug zügig ein, weil ich wieder zu Evi hoch will. Als alles verpackt ist, trage ich es neben unser Boot, das seitlich vom Ponton am Ufer liegt. Anschließend gehe ich hoch zu Evi und berichte ihr kurz von dem Gespräch mit Martin. Wir sind uns sofort einig, sie will auch weg. Wir haben den Jugendlichen nun anderthalb Stunden gegenüber gesessen, wir können bloß verlieren. Ich packe die ”Küche“ gleich am Tisch in die Tonnen ein und schaffe auch sie hinunter zu unserem Boot.

Evi hat in der Zwischenzeit in der Hütte angefangen zu packen. Wir sind routiniert, es geht sehr schnell. Evi packt alles zügig, aber geordnet zusammen. Dann schaffen wir einen Teil runter und kommen wieder hoch, um den Rest einzupacken. Ich bin immer noch ziemlich wütend, da habe ich mitten im Einpacken eine Idee. Ich spreche die Jugendlichen an, die nach wie vor um das Feuer sitzen und Bier trinken. ”I make travel stories for the world wide web. Can i make a foto from you?“ Sie sind ziemlich überrascht, als ich sie anspreche. Aber die vier Mädels und der Kunde bejahen und rücken zusammen. Sie setzen sich in Pose, ich mache zwei Fotos.

Bild 67, 15:28 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Sie benahmen sich seltsam und bedrohlich.
Bild 68, 15:28 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Aber nun sind sie gut drauf, denn wir packen ein.

Dann nehmen wir die letzten Gepäckstücke und machen noch die Wurfsack - Leine zwischen den Bäumen ab. Als wir gerade dabei sind, stolpert die aufgetakelte Kleine an uns vorbei. Auch Evi hat immer noch ziemliche Wut, sie murmelt halblaut, aber gut verständlich: ”Bitch“. Das Mädel tut so, als hätte es nichts gehört. Wir nehmen die Sachen und wollen uns gerade auf den Weg nach unten machen, als ein Boot mit hoher Geschwindigkeit aus dem Ullvettern - Kanal kommt. Es ist noch schneller als die Jugendlichen vorhin, beim Anlegen kracht es fürchterlich gegen den Ponton. An der Reaktion der Jugendlichen am Feuer sieht man, dass sie auf diesen Kahn gewartet haben. Wir gehen schnell nach unten.

Auf dem Boot sind drei Männer und eine weitere Frau. Sie sind alle schon älter, so zwischen fünfundzwanzig und dreißig. Die beiden Blonden heben den Dritten, einen Glatzkopf in Lederklamotten, aus dem Boot und lassen ihn auf den Ponton fallen. Dann gehen sie ziemlich zügig, wenn auch etwas schwankend, nach oben. Uns streifen sie nur mit einem kurzen Blick. Das Mädel, übrigens auch in Lederklamotten, unterhält sich mit dem auf dem Ponton liegenden Glatzkopf, der aber nur schleppend antwortet. Dann telefoniert sie erst einmal.

Wir beginnen einzupacken, ich belade das Boot und Evi reicht mir das Gepäck zu. Das Mädel schaut zu mir herüber, klettert mühsam aus dem Boot und setzt sich auf die Brust des Mannes. Sie beginnt, ihn zu überreden, auch nach oben zu gehen. Er steht mit viel Mühe auf, sie stützt ihn. Dann wanken die beiden hoch zur Hütte, sie führt ihn, obwohl sie selber kaum den Weg findet. Wir waren die ganze Zeit mit Einpacken beschäftigt und haben das Geschehen eher aus den Augenwinkeln beobachtet. Wir sind sehr verärgert, aber es ist ja gerade erst fünfzehn Uhr, da werden wir wohl noch einen Platz zum Übernachten finden.

Das neu angekommene Boot sieht noch heruntergekommener aus als das erste. Na ja, was soll’s. Eines der blonden Mädels, wohl die jüngste aus dem zuerst angekommenen Boot, kommt nun herunter zum Ponton. Ob sie was sucht, oder ob ihr schlecht ist von dem vielen Bier, das wissen wir nicht. Jedenfalls verschwindet sie in dem Boot, mit dem sie gekommen ist.

Nach einer kurzen Weile taucht sie wieder auf und kramt im Boot herum. Ich kann nun nicht mehr richtig an mich halten und rede in Englisch halblaut vor mich hin: “No good for guests, the schwedish People!“ und dann ”When her father know, how many alkohol his daughter consumed!“ und dann auch noch: “Came not to germany!“ Ich glaube, sie hat verstanden, was ich meine, sie konnte mir ja vorhin schon nicht in die Augen schauen.

In dem Moment fängt es zu allem Unglück auch noch an, wie aus Kannen zu schütten. Durch all die Aufregung unbemerkt hat sich eine Gewitterwolke über uns geschoben. Schön, es liegt noch einiges von unserem Gepäck am Ufer, die Luken sind noch offen und unsere Regenklamotten haben wir auch nicht noch nicht an. Wir sind sofort bis auf die Haut nass und können nur mit Mühe das letzte Gepäck einigermaßen trocken verstauen.

Das verstärkt die Wut nur noch, ich schimpfe nun erst recht und lauter, auf englisch und auf deutsch. Solche Sachen wie: ”Swedisch people are not good for guests. By, by swedisch people!“ Dabei ziehen wir im strömenden Regen, es ist ein klassischer Gewitterguss, unsere Regenjacken an, machen die Luken des Ally dicht und steigen ein. In diesem Moment taucht auf dem Weg von der Hütte zum Ponton die andere Blondine auf, ich vermute, es ist die Schwester von der im Boot. Sie fragt die im Boot etwas.

Wir kümmern uns nicht um die beiden, wir paddeln nun los. Wäre Evi nicht bei mir gewesen und hätte es das Telefonat mit Martin nicht gegeben, ich weiß nicht, ob ich nachgegeben hätte. Wir waren im Recht. Und durch das Verhalten der Jugendlichen fühlten wir uns real bedroht, das wirft schon irgendwie einen Schatten auf die ganze Tourů

Jetzt paddeln wir aber um die nächste Ecke oder besser Landzunge und sind erst einmal aus dem Sichtbereich der Insel. Für uns heißt es jetzt, eine neue Schlafstelle zu suchen. Wir paddeln die nächste Bucht ab, da ist eine Stelle, nicht optimal, aber man kann zur Not sogar auch angeln.

Evi steigt aus und schaut nach einem Platz für das Zelt. Sie findet ein Stück Waldboden, wo wir das Zelt aufbauen können. Bevor wir aber etwas anderes machen, rufen wir Martin an, dass mit uns alles in Ordnung ist. Wir schildern ihm kurz, was noch passiert ist. Er meint, wir haben richtig gehandelt. Dann danken wir ihm für seine Unterstützung. Während des Anrufes hat glücklicherweise auch der Regen wieder aufgehört.

Nun geht es aber an den Aufbau des Zeltes. Zwar ist hier eine Wurzel in der Mitte, aber wir schlafen ja rechts und links davon. Ich baue mit Evi das Zelt auf, dann schaffen wir das Gepäck vom Boot hoch. Wir räumen das Zelt ein. Irgenwie sind wir immer noch ein wenig aufgeregt, die Sache von vorhin beschäftigt uns natürlich immer noch.

Bild 69, 16:44 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Wir haben einen Platz für unser Zelt.
Bild 70, 16:46 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Wir räumen es schnell ein.
Bild 71, 16:46 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Wir haben die Lage sondiert, wie weit ist die Insel weg, was ist um uns herum...
Bild 72, 16:46 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Wir dürften hier nur schwer entdeckt werden. Erst wenn jemand hier direkt vorbeifährt, sieht er uns.
Bild 73, 16:47 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Die Felsen bilden die andere Seite der Bucht.
Bild 74, 16:48 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Die Schilfspitze dahinter gehört zur Insel.
Bild 75, 16:49 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Zehn Meter neben unserem Zelt entdecke ich dieses Loch.
Bild 76, 16:49 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Dem Durchmesser der Öffnung nach könnte es ein Dachsbau sein, aber kein Bewohner läßt sich blicken.
Bild 77, 16:50 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Ein wenig aufgeregt sind wir immer noch, sind wir zu nah an der Insel?

Als alles fertig eingeräumt ist, gehen wir angeln, so schwierig das hier auch ist. Wir sind hier kurz vorm Schilf, es ist nicht sehr tief und es gibt auch wenig Platz zum Auswerfen. Aber es geht irgendwie. Dann sitze ich da und angle, Evi liest derweil im Reisetagebuch meine bisherigen Notizen. Dabei achten wir auch auf all die Boote, die hin- und herfahren zwischen der Insel und einem großen Haus am Strand gegenüber, in dem offensichtlich auch gefeiert wird. Obwohl es sicher über einen Kilometer weg ist, kriegen wir viel von der Feier mit.

Die ziemlich besoffenen, jungen Freizeitkapitäne fahren hin- und her, quer über den See. Ob sie Nachschub brauchen oder was immer das soll – egal. Um uns, die wir uns nun außerhalb ihres direkten Sichtbereiches aufhalten, kümmern sie sich nicht. Sie suchen wohl auch nicht nach uns. Allerdings sind sie auch kaum noch fähig, ein Boot zu steuern. Während wir nach den Booten Ausschau halten und nebenbei auf Bisse warten, haben sich zwei Landzungen weiter rechts drei Reiher niedergelassen.

Und diese drei beginnen nun laut zu rufen. Wir haben so etwas noch nie gehört. Die drei scheinen sich gegenseitig anzuspornen. Und sie erreichen eine erstaunliche Lautstärke, es hallt laut über den ganzen See. Wir sind tief beeindruckt von den Rufen, die irgendwie klagend und traurig, fast anklagend klingen. Nach einer Weile, als sie wohl alles gesagt haben, stehen sie still auf dem Felsen.

So vergeht die Zeit, ich angle, Evi kocht noch einen Tee und wir unterhalten uns über die Erlebnisse des heutigen Tages. Dann aber habe ich es satt. Vom Ufer aus beißt es nicht, ich will nun blinkern. Die Jugendlichen sind mir mittlerweile egal,ich glaube, sie haben eh kein Ineresse mehr an uns. Also rüste ich das Boot zum Angelboot um. Die Persenning kommt runter und ich räume alles Überflüssige raus, die Sachen staple ich am Ufer auf einem Haufen. Dann setze ich mich wie am Vorabend in der Mitte des Bootes auf den Boden, mit dem Rücken an Evis Sitz. An dieser Stelle sitzend kann man das Boot gut steuern und sogar ziemlich schnell paddeln.

Bild 78, 19:37 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Ich versuche mich ein wenig im Schleppangeln.
Bild 79, 19:37 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Auch die Reiher schauen mir zu.
Bild 80, 19:38 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Es wird langsam Abend.
Bild 81, 19:38 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Ich bin unermüdlich, aber es beißt nichts.
Bild 82, 19:39 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Es ist windstill und friedlich, nur der Lärm von der Insel ist zu hören.
Bild 83, 19:39 Uhr - Tag 14, Sonnabend, den 26.08.2006
Ich schaue nach den Booten, die über den See rasen, gesteuert von betrunkenen Jungendlichen.

So blinkere ich bis zum Sonnenuntergang und fahre dabei fast den gesamten hinteren Teil des Frövettern ab, aber es beißt nichts. Ein paar Mal bleibt der Blinker am Schilf oder an Ästen hängen. Wenn man vom Boot aus angelt, ist das kein Problem. Man paddelt zu der Stelle, wo er hängt. Manchmal ist es ein Ast, den man bis zur Wasseroberfläche ziehen kann, um dann den Drilling auszuhaken. Oder der Köder hat sich an einem Stein verklemmt, da reicht meist ein wenig Zug in die andere Richtung und er löst sich. Ich komme also mit allen Blinkern zurück, aber gefangen habe ich nichts. Die Reiher haben sich von mir nicht stören lassen, ich bin sogar mehrfach ziemlich nahe an ihnen vorbei gepaddelt. Irgendwann erheben sie sich aber in die Luft und fliegen alle drei mit großen, wuchtigen Flügelschlägen davon.

Während ich in Richtung Evi paddle, kann ich die Insel mit der Hütte sehen. Die Jugendlichen haben ein ziemlich großes Feuer entfacht, die Flammen sind vielleicht anderthalb Meter hoch. Dazu hört man Gegröle, Lachen und alle die Geräusche, die bei einer solchen Party entstehen. Da sind wir wohl heute Nachmittag in ein gerade beginnendes Saufgelage hineingeraten.

Evi hat mit den anderen Ruten weitergeangelt. Als die Dämmerung beginnt und die Schwimmer kaum noch zu erkennen sind, hat sie alles eingezogen,. An einer der Ruten hat sie auf Rotwurm eine kleine Rotfeder dran. Den Biss konnte man wohl nicht bemerken, so vorsichtig war der kleine Fisch. Wir setzen Die Rotfeder wieder ins Wasser, mit der Bemerkung, sie solle noch wachsen und dann wiederkommen.

Wir räumen nun das Angelzeug weg, packen alles wieder ins Boot, machen die Persenning drauf und Luken zu. Dann drehen wir es herum. Wir haben es ein Stück an Land getragen, es liegt gleich hinter dem Zelt, da sieht man es vom Wasser aus nicht so. Immerhin sind die Jugendlichen ziemlich betrunken, man hört die Stimmen bis hierher. Und sie wissen ungefähr, wo wir zelten, ich bin ja lange genug auf dem Wasser gewesen mit dem Boot. Irgendwie sind wir immer noch sehr ärgerlich. Andererseits sind wir aber auch froh, dass wir weiter gezogen sind und nun unsere Ruhe haben.

Wir ziehen uns ins Zelt zurück. Eines der Boote, die ab und zu zur anderen Seite hinüber fahren, hat wohl einen ”Ghetto - Blaster” mit auf die Insel gebracht. Jetzt haben wir auch noch Musik, wobei das Ganze irgendwie nach schwedischem Punkrock oder so was klingt. Zwischendurch hackt auch immer mal wieder jemand Holz. Glücklicherweise ist noch eine Landzunge zwischen uns und der Insel, die Fete ist also nicht so laut, dass es uns stört. Wir kochen uns noch einen Tee.

Dann ist Evi müde und wickelt sich in ihren Schlafsack. Morgen früh soll es zeitig losgehen, die Wecker sind auf halb sieben gestellt. Wir wollen diese ungastliche Gegend verlassen. Wir haben eine weite Strecke vor uns, wir wollen zu der Hütte in der großen Bucht am Öjevettern, an der wir vorgestern vorbeigepaddelt sind. Die Überlegung ist, dass dort kein Kanal hindurchführt und auch kaum Häuser rundherum stehen, dort sollte es also ruhiger sein.

Ich schreibe die Erlebnisse auf, es kommt heute mehr als sonst zusammen. Evi ist schon eingeschlafen, zumindest duselt sie so vor sich hin. Heute Nachmittag habe ich in einer Entfernung von vielleicht zehn Metern vom Zelt ziemlich große Eingangslöcher zu einem Erdbau entdeckt und auch fotografiert. Kaum ist nun Ruhe rund ums Zelt, nur die Gaslampe rauscht leise und der Lärm von der Insel schallt herüber, da geht neben dem Zelt ein Getrappel los.

Ich bin konzentriert beim Schreiben und kriege es darum erst gar nicht so mit. Aber dann stört das leise Tap – Tap – Tap – Tap doch meine Konzentration, ich werde aufmerksam. Durch die Ereignisse am heutigen Tag bin ich doch etwas vorgespannt - da ist doch was? Es müssen zwei sein, wie an den Schritten zu hören ist. Es klingt, als watscheln sie durch die Blaubeersträucher rund um das Zelt, es ist eine Mischung aus Trappen und Rascheln. Sie scheinen das seltsame Gebilde, das auf einmal direkt vor ihrem Bau steht, untersuchen zu wollen und kommen immer näher.

Ich überlege, ob ich vielleicht ein Foto machen könnte? Aber ich schätze ein, die Chancen sind gleich Null. Das Zelt ist beleuchtet durch die Gaslampe, die beiden trauen sich überhaupt bloß heran, weil ich beim Schreiben still sitze und mein Schatten sich so gut wie nicht bewegt. Wenn ich was fotografieren will, brauche ich die Kamera, dann muss ich auch noch das Zelt öffnen. Zuerst das Innenzelt, dann das Außenzelt, zwei ziemlich laute Reißverschlüsse. Selbst wenn ich das langsam und leise hinkriege, schaue ich vom Hellen ins Dunkle. Und ob ich was vor die Kamera kriege und auch noch schnell genug mit Blitz auslösen kann, ist mehr als fraglich.

Also verzichte ich schweren Herzens auf den Versuch, ein Foto zu machen. Dafür wecke ich Evi vorsichtig. Ich sage ihr, was ich gehört habe, nun lauscht auch sie auf das Trippeln. Dann macht einer von uns ein Geräusch, die Beiden draußen flüchten sofort. Dabei hat man auf Grund der Geräusche die Vorstellung, dass sie mit dem Hinterteil weit hin- und her schwingen, so eine Art Seemannsgang. Ich denke, es handelt sich um Dachse, dazu würde auch die Größe der Baueingänge passen.

Es klingt wirklich so, als werfen sie ihr Hinterteil nach rechts und links. Ich denke, sie werden heute Nacht, wenn dann wieder Ruhe ist, noch genauer untersuchen, was das mit dem Zelt vor ihrer Haustür auf sich hat. Wir haben alles Essbare gut verpackt, in den Upsite’s liegt außer den Tonnen und den Wassersäcken nichts, was sie wegschleppen könnten. Es kann also nichts passieren.

Ich schreibe nun die restlichen Zeilen, mittlerweile bin auch ich ziemlich müde. Ich mache die Lampe aus und wickle mich in meinen Schlafsack. Beim Einschlafen muss ich immer noch an die Ereignisse des heutigen Tages denken, man hört ja auch noch den Fetenlärm. Aber nun ist Nachtruhe, morgen wird wieder ein langer, anstrengender Tag.

Wir sind heute acht Kilometer gepaddelt. Vom Wetter her war von schönem Sonnenschein bis hin zum Wolkenbruch mit Gewitter alles vertreten. Nun, da der Ausgang dieses Tages gut ist, kann man sagen, es war schon aufregend heute.

 13.Tag 
Die Vertreibung.
14. Urlaubstag - Sonnabend, 26.8.2006
 15.Tag